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Weltweit ist jede achte Vogelart vom Aussterben bedroht. Der globale Dachverband, BirdLife International, des Schweizer Vogelschutzes SVS/BirdLife Schweiz, lancierte deshalb 1985 die Idee der Important Bird Areas, kurz IBA:
Ein weltweites Netzwerk von Vorranggebieten soll das Überleben aller Vogelarten auf der Erde längerfristig garantieren. Schon 1989 veröffentlichte BirdLife International für Europa eine erste Liste von IBAs. Die Kriterien waren damals jedoch sehr offen und wurden für die Neubeurteilung der IBAs Ende der 1990er- Jahre überarbeitet. Inzwischen sind auf allen Kontinenten IBAs bezeichnet. 1989 wurden in der Schweiz nur die international bedeutenden Wasservogelgebiete als IBAs festgelegt. Ende der 1990er-Jahre haben der Schweizer Vogelschutz SVS und die Schweizerische Vogelwarte Sempach unter Einbezug von Gebietskennern und auf Grund von wissenschaftlichen Erhebungen zusätzliche IBAs für die Schweiz bezeichnet.
Die Kriterien für die IBAs in der Schweiz
Ein Gebiet ist wichtig für die Erhaltung der weltweiten Vogelwelt, wenn es mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllt:
Weltweit bedrohte Arten brüten regelmässig im Gebiet (z.B. Wachtelkönig).
Häufung von Arten, die auf einen spezifischen Grosslebensraum der Erde (Biom) beschränkt sind: In der Schweiz ist dieses Kriterium vor allem in den Alpen von grosser Bedeutung: Zitronengirlitz, Schneesperling u.a. sind auf dieses Biom beschränkt.
Grosse Ansammlung von Vögeln: Dieses Kriterium ist vor allem bei überwinternden Wasservögeln oder bei international bedeutenden Rastplätzen wichtig.
Bedeutende Brutpopulationen von Arten mit ungenügendem Schutzstatus (z.B. Birkhuhn) und von nicht gefährdeten Arten, deren Verbreitung auf Europa beschränkt ist (z.B. Ringdrossel).
Die Important Bird Areas des Oberwallis
Das IBA im Zentralwallis umfasst den Talboden und die angrenzenden Berge im Norden zwischen Siders und Visp.
Kleinparzelliertes Land und eine reiche Heckenlandschaft und einen Altarm des Rottens zeichnet die Talebene aus. Der frei mäandernde Rotten und der ausgedehnte Föhrenwald, zwischen Siders und Susten, bietet diversen Vögeln Möglichkeit zur Brut. Der vielerorts durch eine einzigartige Felsensteppe gekennzeichnete untere Bereich des Südhangs weist eine wärmeliebende Pflanzenwelt auf. Hier wird auch eine vorwiegend traditionelle Bewirtschaftung getätigt. In den Seitentälern und höheren Lagen geht der Laubmischwald in Nadelwald über. Oberhalb der Waldgrenze dominiert der alpine Rasen. In den höchsten Regionen reicht das IBA in die Schneezone über. Durch das grosse Höhenspektrum und der Fülle der Lebensräume weist das Gebiet eine grosse Artenvielfalt an Brutvögeln auf. So kommen mediterrane Arten (zB. Ziegenmelker) bis zu alpinen Arte (z.B. Mauerläufer) vor. Besonders häufig sind Arten der Halboffenen Landschaft wie Wendehals und Zippammer.
Das IBA „Mattertal“ umfasst, auf einer Länge von 30 km, eine Fläche von zirka 22‘000 Hektaren. Beginnend in der Region um Zeneggen erstreckt sie sich bis nach Zermatt (Gornergrat). Dabei reicht das Gebiet vom Talboden bis zu den oberhalb der Waldgrenze liegenden alpinen Rasen. Die höher liegenden Gipfel und Gletscherregionen bleiben jedoch ausgespart. Die Talhänge sind stark bewaldet und weisen viele Felsbänder, Schuttflächen und Blockhalden auf. Oberhalb von 1200 m bilden die Lärchen stellenweise fast Reinbestände, während unterhalb der Laubwald dominiert. Das Gebiet zeichnet sich durch grosse Bestände von Vogelarten der eurasischen Gebirgslandschaft aus. Dazu zählen Alpenbraunellen, Alpendohlen und Schneesperlinge. Neben Rauhfusshühnern brüten auch Wanderfalken, Steinadler und weitere Greife im Mattertal. Zudem ist die Alpenkrähe im IBA Mattertal ein Brutvogel.

Das IBA „Aletschregion“ schliesst südlich an den weltberühmten Aletschgletscher an und liegt im Perimeter des UNESCO-Weltnaturerbes Jungfrau – Aletsch. Das bereit 1933 geschaffene Aletschwald- Naturresevat ist Teil des IBA – Gebietes. Der Nach Südosten ausgerichtete Berghang weist aufgelockerte Nadelwälder, Dörfer und Streusiedlungen auf. Auf zirka 1900 m liegend die Ortschaften Riederalp und Bettmeralp. Von dieser Geländestufe bis auf den Grad herrscht, durchsetzt von grossen Felsblöcken alpiner Rasen vor. Am Nordhang erstreckt sich der Aletschwald. Dieser Lärchen – Arvenwald mit Heidelbeer- und Alpenrosenunterwuchs ist einzigartig. Am Südhang erreichen Vogelarten wie Wendehals und Gartenrotschwanz, als Vertreter halboffener Landschaften grosse Dichten. Neben typischen IBA – Arten brüten auch der Rauhfuss- und Sperlingskauz sowie verschiedene Spechtarten, Steinschmätzer und Hänflinge häufig. Im Aletschgebiet kommen auch diverse Alpenvögel wie Birk- und Alpenschneehuhn vor.

Das vom Glishorn im Norden bis Gondo an der schweizerisch-italienischen Grenze reichende IBA „Simplongebiet“ liegt grössten teils oberhalb der Baumgrenze von etwa 2200 m ü. M. Das Gebiet bezieht die umliegenden Gebirgszüge mit ein. Entlang des Haupttales befinden sich an den Hängen aufgelockerte bis dichte Lärchenwälder. Oberhalb der Waldgrenze wechseln sich alpine Rasenfelder mit Heidelbeersträuchern, Alpenrosen und Besenheide ab. Darüber liegen die Regionen von schroffe Felsen, Geröllhänge und Gletscher. Das Gebiet wird vielerorts als Weideland für Schafe genutzt. Das Simplongebiet mündet in die Gondoschlucht mit ihren riesigen Felswänden. Das IBA „Simplon“ weist viele Brutpaare von alpiner – bis hochalpiner Vogelarten auf. An der oberen Waldgrenze ist die Dichte von Birk- und Steinhuhn recht hoch. In den Felsenschluchten finden viele felsenliebende Brutvogelarten ihr Brutrevier. Der Steinrötel erreicht in diesem Gebiet eine der höchsten Dichten der Schweiz.

Was ist die Bedeutung der Important Bird Areas
Ein IBA für die „Allerweltsvögel“ Alpendohle, Ringdrossel ? Es erscheint im ersten Moment seltsam, wenn in der Schweiz IBAs für solche im Alpenraum gebietsweise häufige Vogelarten ausgeschieden werden. Jedoch ist dies bei einer internationalen Sichtweise schnell erklärt: Mehr als ein Fünftel der in Europa vorkommenden Alpenbraunellen und Schneesperlinge brüten in der Schweiz. Gerade weil diese Arten bei uns heute zahlreich vorkommen, hat die Schweiz eine grosse Verantwortung, dass sie nicht aussterben. Bleiben die Bestände bei uns stabil oder wachsen sie, so ist das Überleben dieser Arten längerfristig eher gesichert. In den Important Bird Areas kommen die für die Schweiz relevanten IBA-Arten überdurchschnittlich zahlreich vor. Deshalb ist es wichtig, dass in den IBAs die Bestände zumindest stabil bleiben. Somit kann die Schweiz einen wichtigen Beitrag ans längerfristige Überleben dieser Arten leisten.
Von europaweit ca. 19’000 Paaren des Schneesperlings brüten 4’000 Paare in der Schweiz; wir tragen also eine grosse Verantwortung für die Erhaltung dieser Art.
Fotos MeichtryFS
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