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Dohlen

Brig-Glis | Die vom Natur- und Vogelschutz im Herbst 2017 installierten Nistkästen zeigen erste Erfolge. Mindestens ein Dohlenpaar ist eingezogen, vier weitere Paare haben sich an den Pfeilern angesiedelt und ziehen hier ihre Jungen gross.

Bei der Balz verneigt sich das Männchen, spreizt seine Flügel und seinen Schwanz und zeigt je nach Lust und Laune dem Weibchen seinen grauen Nacken. Dabei richtet es seine Scheitelfedern auf und drückt den Schnabel gegen die Brust. Dieses Ritual ist längst vollzogen, für Nachwuchs bei den seltenen Turmdohlen gesorgt. Mindestens einer der insgesamt zwölf Brutkästen an den Pfeilern der Napoleonsbrücke in Brig ist gar mit Nistmaterial ausgelegt, erste junge Dohlen sind laut Beobachtungen des Vogelexperten geschlüpft. Christian Raboud, Vorstandsmitglied des Natur- und Vogelschutzes Oberwallis (NVO), hat das Elternpaar während den letzten Wochen bei der Nahrungssuche beobachtet: «In zehn bis zwölf Tagen werden die Jungen bereits flügge sein», berichtet er stolz. Maximal 17 Vögel in der Kolonie beobachtet.

Total dauert es vier bis sieben Wochen, bis die jungen Vögel aus ihren Kästen oder Nischen fliegen: «Die Dauer hängt unter anderem vom Nahrungsangebot und der Grösse des Geleges ab. Und nach dem Ausfliegen sind die Jungen noch etwa fünf Wochen lang von den Eltern abhängig», sagt Raboud weiter. Der Bruterfolg sei bei spät brütenden Paaren geringer als bei frühen Brütern. Meist würden nicht mehr als ein oder zwei Junge eines Geleges flügge. Von seiner jahrelangen Erfahrung her weiss er, dass die fliegenden Allesfresser für die Nahrungssuche die vielen Felder und Wiesen zwischen Brig-Glis und Termen/Ried-Brig sehr zu schätzen wissen.

Raboud hat bisher maximal 17 Vögel in der Kolonie bei der Napoleonsbrücke gezählt. Unter optimalen Bedingungen würden demnach acht Weibchen acht Männchen gegenüberstehen, es könnten also maximal acht Paare brüten. «In einer Population wie dieser gibt es aber immer auch Junggesellen, sodass nie alle Vögel brüten.» In den letzten Jahren wurden viele Brutplätze durch Renovationen und Gebäudesanierungen zerstört. Teils absichtlich, teils aus Unwissenheit oder Gedankenlosigkeit. Deshalb ist diese Neuansiedlung von grosser Bedeutung.

Erstbesetzung als wichtiger Schritt zum Erfolg 
Die Erstbesetzung eines Kastens sei der erste Schritt für den nachhaltigen Erfolg und den Anstieg der Population, führt Raboud aus: «Das Projekt kann als gelungen angesehen werden. Denn es sind insgesamt mindestens fünf Plätze besetzt, vier natürliche Brutnischen und ein Nistkasten.» Eventuell seien ein weiterer Nistkasten und eine weitere Nische von den Vögeln bewohnt. Die Kästen wurden im vergangenen Oktober in einer aufwendigen Aktion an den beiden Pfeilern angebracht.

Das Unterfangen wurde vollumfänglich vom NVO getragen. Für die Stadtgemeinde Brig-Glis fielen keine Kosten an. Diese hatte das Anbringen der Kästen anstandslos bewilligt. Dohlen werden meistens nach zwei Jahren geschlechtsreif. Die Sterblichkeitsrate ist mit bis zu 50 Prozent im ersten Jahr allerdings ziemlich hoch. Zudem werden Dohlen selten älter als zehn Jahre. Raboud: «Die nächsten Jahre werden spannend und wenn in sechs Jahren die Hälfte der Kästen besetzt ist, wäre dies ein Erfolg.»

Auch die Zenegger Population vergrössern 
Lediglich zwei Populationen der gefiederten Rabenvögel gibt es im Oberwallis noch. Die hier erwähnte bei der Napoleonsbrücke und eine unterhalb von Zeneggen. Dohlen sind bekanntlich Höhlenbrüter, die vorzugsweise in Kolonien auftreten. Allerdings sind Höhlen in der Grösse wie für Dohlen selten und von zahlreichen anderen Vogelarten begehrt. Raboud will deshalb dafür schauen, dass auch die Felsenpopulation zwischen Visp und Zeneggen vergrössert werden kann.

Dafür sollen dort im Herbst ebenfalls neue Nistkästen angebracht werden. Auch ein Turmfalkenprojekt bei der Napoleonsbrücke ist in Zusammenarbeit mit der Vogelwarte Sempach geplant. Dohlen gelten als gesellige und intelligente Vögel, die in Dauerehe leben. Die Rabenvögel sind relativ klein und zeichnen sich durch ihr schwarzgraues Gefieder, ihren stämmigen Schnabel und ihre markanten blauen Augen aus.

Daniel Zumoberhaus, WB, Mai 2018